
Velvi (bürgerlich: Alex Mahr) fährt völlig erschöpft zu Hause vor, als wir ihn auf dem Handy erreichen. Er fühlt sich kaputter als nach zwei Tagen Stoned-Bombers-Turnier, dabei ist er durchaus stressresistent. Haus, Band, Frau, zwei Kinder, Biere – all das kann Velvi (42) nicht annähernd so viel anhaben wie… Pferde. Und Reiter. Eine fachfremde Veranstaltung hat ihm mächtig zugesetzt.
Velvi: Ja, Mahr?
Red.: Ja, Kellner!
Velvi: (lacht erstmal eine Minute): Hä, hä, hä, hä! Hallo, Herr Kellner!
Red.: Stör’ ich?
Velvi: Nein, gerade nach Hause gekommen. Ich sitz' noch im Auto und höre die aktuelle Cure.
Red.: Ah, der Musikgeschmack hat sich offenbar nicht groß geändert.
Velvi: Och, du, wenn Cure 'ne Scheibe rausbringt, hört man sich's natürlich mal an.
Red.: Und wie bewertet der Fachmann die Scheibe?
Velvi: Sind ein paar geile Songs drauf wie immer bei Cure. An manche Sachen muss man sich aber gewöhnen. Wenn’s einem nach einem halben Jahr gefällt, dann war's 'ne gute CD.
Red.: Kommst du vom Gitarre spielen oder vom Bier trinken?
Velvi: Vom Arbeiten!
Red.: Oh, die dritte Möglichkeit. Was ist das aktuell für eine Arbeit?
Velvi: Ich komme aus der Schleyer-Halle. German Masters, ein Reitturnier.
Red.: Hä?
Velvi: Ton und Licht fürs Fernsehen.
Red.: Klingt nach beruflichem Aufstieg.
Velvi: (ungläubig): Wenn du meinst… Ist nur Internet-Fernsehen. Und zum Thema Karriere: Mein Konto ist immer noch chronisch leer. Als Hausbesitzer ist es noch schwieriger.
Red.: Du hast ein Haus gebaut?
Velvi: Nein, gekauft. Ein 100 Jahre altes Haus.
Red.: Toll! 100 Jahre ist übrigens ein gutes Stichwort. Was, glaubst du, könnte der Anlass meines Anrufs sein?
Velvi: Das 48-jährige Jubiläum der Flinken Flaschen! (lacht sich über seinen eigenen Witz kaputt)
Red.: Nicht ganz. Aber das zwanzigste steht bevor.
Velvi: (Hat sich immer noch nicht eingekriegt, schüttet sich jetzt fast aus vor Lachen über seinen prima Witz)
Red. (ernst und auch ein bisschen vorwurfsvoll): Ich weiß ja nicht, ob du schon mal irgendwann einen Blick auf unsere wunderbare Homepage geworfen hast...
Velvi (verschämt): Irgendwann mal. Ist tatsächlich schon 'ne Weile her. Einmal kurz drangedacht, reingeguckt - und dann wieder aus den Augen verloren.
Red.: (beschwingt) Aber ich nehme mal an, du bist genauso begeistert wie die Macher der Homepage.
Velvi: Ich bin total begeistert.
Red.: (leitet einen Super-Delling ein) Begeistert warst du ja schon damals, als ich erwogen habe, was zum 15-Jährigen zu machen. Jetzt geht's stramm auf die 20 zu. Naja, stramm. Es sind noch elf Monate...
Velvi (räuspert sich): Ah ja. Und was planst du?
Red.: (vor Stolz platzend) Och, lass dich überraschen. Nur soviel: Wir haben jetzt endlich eine Brauerei als Hauptsponsor.
Velvi (plötzlich tatsächlich begeistert): Erzähl weiter!
Red.: Ich will nicht zu viel verraten, nur soviel: Wir planen ein ganz großes Ding. Gemütlich Bier trinken, bisschen kicken. Gründungsflaschen gegen Neuzeitflaschen, Münchner Flaschen gegen Beilsteiner …
Velvi (unterbricht die Ausführung, bevor’s noch mehr ins Detail geht): Und wann soll das sein?
Red.: Am ersten oder zweiten Oktober-Wochenende 2009.
Velvi: Meine Terminplanung geht eigentlich nicht so weit, aber weißt du, ob da Schulferien sind?
Red.: Wie alt sind denn deine Kleinen inzwischen?
Velvi: Elf.
Red.: Oh, gar nicht mehr so klein.
Velvi: Ganz und gar nicht. Sechste Klasse Gymnasium.
Red.: Wow! Und sind die beiden besser in der Schule als der Papa?
Velvi (bewundernd): Die haben's tatsächlich geschafft, in der 5. Klasse beide eine Belobung zu kriegen. Immer wenn sie mal 'ne schlechte Arbeit schreiben, lesen sie sich mein Zeugnis durch und lachen sich schlapp.
Red.: (geschickt ein Velvi-Thema anschneidend) Musik machst du aber schon noch, oder?
Velvi: Na klar. Ich hab gerade ein großes Projekt am Start.
Red.: So, was denn?
Velvi: Ich hab Schiller's Glocke vertont. Das gibt 'ne Rockoper.
Red.: Ah.
Velvi: 2009 ist ja Schillerjahr, und am 29. Oktober die Welturaufführung.
Red.: Cool. Machst du auch noch selber Krach? Lex Luder hieß glaub ich die letzte Band.
Velvi: Lex Luder gibt's noch. Die neue CD ist quasi fertig. Wir hatten nur noch keine Zeit, sie zu veröffentlichen. (Sein Handy bimmelt …) Geo ist am Telefon, aber ich geh' jetzt einfach nicht ran (Gemurmel im Hintergrund, die Gemahlin wurde offenbar vertröstet) Wo waren wir stehen geblieben?
Red.: (listig) Beim Turnier!
Velvi: Ja, ist doch schön. Nee, also prinzipiell… Klar logisch. Bisschen kicken, warum nicht? Wenn das nicht in Stress ausartet, mach' ich das gern. Hab ich doch immer gesagt.
Red.: Du hast vor allem noch nicht das köstliche Zwicklbier von Ayinger probiert. Da flippst du aus!
Velvi (Wieder in Witzlaune): Dann bestehe ich aber auf eine Promillegrenze: Unter 0,8 sollte keiner auf dem Platz stehen.
Red.: So, dann kümmer dich jetzt mal um Geo und deine Mädels!
Velvi (plötzlich von einer Müdigkeitsattacke geplagt): Poah, ja, ich bin sowas von gestresst. Ein echt harter Job. Ich bin froh, dass ich heute mal schon um neun daheim bin. Die sind echt nicht ganz dicht, diese Pferdemenschen! Die reiten von morgens um neun bis abends um elf. Die reiten echt andauernd, von Mittwoch bis Sonntag! Der Hammer!
Red.: Ich darf nichts gegen Pferdefreunde sagen. Wenn das mein Chef liest, schmeißt er mich raus. Noch eine letzte Frage, hat aber weder was mit Pferden noch mit Musik oder Fußball zu tun: Hast du noch Haare auf dem Kopf?
Velvi: Naja. Die sind natürlich nicht mehr geworden. Aber das war ja absehbar. Ich trag sie jetzt halt kurz, so halb als Glatze.
Red.: Na, dann lohnt sich ja der Blick auf unsere Homepage erst recht. Auf unseren Archivbildern sind deine Haare nämlich noch lang und flauschig.
Velvi: Vielen Dank! Auch im Namen von Antonia und Michelle. An solchen Fotos haben die Riesenspaß!
Red.: Und ich hatte einen Riesenspaß mit unserem Telefonat. Bis bald!
Comeback-Wahrscheinlichkeit:
90 Prozent (wenn’s nicht mit Schiller kollidiert).