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Pankraz 2008

Um als erste und einzige Golden Slam-Gewinnerin in die Geschichte einzugehen, musste Steffi Graf 1988 alle vier Grand-Slam-Turniere UND das olympische Tennisturnier für sich entscheiden. Die Flinken Flaschen hatten es 20 Jahre etwas leichter. Für den Golden Slam, der die vier bekannten Kleinfeldturnier-Klassiker veredeln sollte, war keine Goldmedaille in Seoul nötig, es reichte bereits eine gemütliche Reise nach Südtirol. In ein spektakuläres Seitental von Meran, in das sich augenscheinlich nicht sehr häufig Fremde verirren.

„Seids Ihr die Bayern?“ Der erste Satz, den wir Donnerstagnacht im Zielort St. Pankraz zu hören bekommen, klingt gewöhnungsbedürftig. Wir Bayern? Natürlich nicht. Die freundliche Geste der Herrenrunde gegenüber, zwei große Biere über den Tresen von „Charlys Pub“ zu schicken, zeigt auch schnell: Man hat uns gar nicht als potenzielle Seriensieger à la FCB eingestuft, sondern lediglich als Nicht-Einheimische identifiziert. Drei Stunden später ist die bayerisch-italienische Freundschaft dann bereits recht for(s)tgeschritten. Dafür sorgen Batz und Fred nicht nur mit einem spektakulären Wandertipp (zu einer Hütte, in der Brennnesselknödel serviert werden), sondern auch mit mehreren Runden vom köstlichen Birra Forst und dem Angebot, unser arg dezimiertes Team im Notfall zu verstärken. Die Lehre des ersten Abends: In einem 1500-Seelen-Dorf wie St. Pankraz bleibt man nicht lange fremd.

Der Freitag steht dann ganz im Zeichen der Teamzusammenführung. Eine in der Flinke-Flaschen-Geschichte einmalige Sternfahrt sorgt dafür, dass abends exakt so viele Mitspieler im Whirlpool und in der Sauna des Hotel St. Pankraz sitzen, wie tags darauf benötigt wurden. Schon die bio- und geografische Herkunft der sechs Pioniere zeigt, wie sehr uns das Südtirol-Projekt am Herzen liegt - und wie unbegründet die Sorge der Veranstalter war, sich einen humorlosen, nur auf den Titel erpichten FFC Bayern eingefangen zu haben. Lästermäuler würden sagen: Alte, Dicke, Lahme, Untrainierte. So gemein sind Lästermäuler manchmal.

Okay, die Truppe ist recht heterogen besetzt mit Akademikern, einem Autodandler, einem Arbeitgeberpräsidenten, einem DJ und einem Schmierfinken. Aber: Es wirken ausnahmslos besondere Persönlichkeiten mit. Durchschnittsalter des Teams: 39 Jahre. Gewichtsklassen: zum Teil zwischen Daniele 2007 (85 plus) und Ceyhan 2008 (95 plus). Konkret wirken mit: Italien-Re-Import Daniele aus dem Antonio-Marcipane-Geburtsort Campobasso. Professorin Müller aus Klagenfurt, letzter Fußballeinsatz 1995. Hörby, frisch geoutet als Beatles-Konzert-Besucher 1964. Der coole Laienschauspieler Murat, rechtzeitig weichgeknetet im Wellnesskeller. Und die vom Grand-Slam-Sommer gezeichneten Uli (gezerrter Oberschenkelmuskel) und Wittich (gezerrte Hirnwindung nach SZ-Rätsel-Marathon). Die reizenden Spielerfrauen Astrid, Christine, Ele und Theresa runden das sympathische Erscheinungsbild ab.

Der Turniertag selber nimmt dann nicht den erwarteten, sondern einen überaus dramatischen Verlauf. Große Motivation im kleinen, aber feinen Team. Pünktlich finden sich alle Mitspieler zum „Wellness-Frühstück“ ein, doch leider hat auch ein ungebetener Gast ein gutes Timing: ein fieser Dauerregen, der exakt zum ersten Anpfiff um 9 einsetzt und sich kurz nach unserem letzten Spiel in spektakuläre Nebelfelder auflöst. Kühle Nässe im sonnenverwöhnten Italien: Leider ist das bei weitem nicht der dickste Hund, der uns widerfahren wird.

Denn der folgt im ersten Spiel gegen die Schnellspritzer, eine örtliche Feuerwehrauswahl. Obwohl es nur einmal lichterloh in unserem Strafraum brennt, reicht diese eine Unachtsamkeit, um unsere Anfangseuphorie vorübergehend zu löschen. Teamchef Uli joggt verschlafen hinter dem Flankengeber her, der nasse Ball flutscht zwischen Murat und dem Pfosten hindurch, und am hinteren Pfosten klebt die Müllerin mit ihren sockenlos getragenen Leihschlappen im schlammigen Boden. Grazie, sagt ihr nicht wesentlich beweglicherer Gegenspieler, einer aus der doppelten Ceyhan-Klasse, und stupst den Ball zum 0:1 über die Linie. Eine kalte Dusche, nicht nur vom grauen Ultentaler Himmel.

Die Reaktion des Teams: eine Mischung aus teutonischen Tugenden und italienischem Catenaccio. Wie bei vielen Grand-Schlamms wächst die vermeintlich chancenlose Mannschaft über sich hinaus und lässt keinen weiteren Gegentreffer zu. Zwar passt sich die Offensive der minimalistischen Einstellung an, doch in zwei Spielen immerhin darf gejubelt werden. Und wie! Beim 2:0 gegen die Geilschten sind wir deutlich torgeiler als unser Gegner, beim abschließenden 1:0 gegen die Lananer Musi, als Batz und "Die Bledn Hund"-Leihgabe Schorsch unsere trödelnden Teamsenioren ersetzen, zeigt Daniele, was sich nachts zuvor beim Tischfußball angedeutet hatte: Wie ein Strich rauscht sein Freistoß ins Tor – allerdings hatten uns die Gegner mit ihrer knüppelharten Gangart auch viele Gelegenheiten zum Üben gegeben. Erste Tore auf italienischem Boden, erste Siege – Ziel erreicht.

Danach: Fröhliche Forst-Runden mit Fred und Co., nur kurzes Hadern, dass uns der dicke Klopps aus dem ersten Spiel um das Viertelfinale gebracht hat. Einhelliger Tenor der durchgeweichten Truppe: Optimal gelaufen, schmerzfrei bewegen kann sich ohnehin keiner mehr. Was die Moral betrifft, hätten wir den 43 Kilo (!) schweren Wanderpokal aber locker verdient gehabt.

Kleine Enttäuschung dann allerdings bei der Siegerehrung im Rahmen des "Nacht-Festes". Nur Platz 15 in der Endabrechnung, die geschlagenen Gegner gar 17. und 21 (von 21 Teams). War unsere Gruppe doch nicht so stark und unsere Wir-sind-Supermänner-Gestik nach den beiden Siegen doch nicht so angebracht? Als uns Elmar und FC-zu-Wasser-Gaißbock-Präsi Robert versichern, dass wir auf jeden Fall wieder eingeladen werden, ist der Abend gerettet. Er klingt aus mit einer Diashow und den besten 800 der gemeinsam geschossenen Bilder. Wir kommen wieder, keine Frage. Im Gegensatz zu Steffi Graf müssen wir keine vier Jahre auf den nächsten Golden Slam warten. Und Fremde sind wir in St. Pankraz auch nicht mehr.

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