Glashaus 2009
Am Ende bot sich dem Oberstenfelder Turnierpublikum das vertraute Bild: Petrus stellte den Himmel auf Sonne-Wolken-Modus, der Glashaus-Conferencier streckte zwei Flinke-Flaschen-Vertretern das begehrte Pokalset entgegen, und der Stimmungsbeauftragte in Weiß-Grün balancierte ein weiteres Pils-Gebinde zur Bierbank. Alles wie immer? Weit gefehlt.
Der Weg zum sechsten Erfolg beim Glashaus-Turnier verlief anders als sonst. Holpriger. Verschlungener. Gepflastert mit kleinen Skandälchen und diplomatischen Verwicklungen. An einem Flinke-Flaschen-Funktionär hätte Mannschaftshündin Feli zwischenzeitlich ihre helle Freude gehabt („Ich krieg’ ne Leberwurst“). Für die zweite Beleidigungsäffäre sorgte eine unbedachte Äußerung des Teamchefs am Distelhäuser-Stand („He, machsch du’s Bottwartal schlecht?“). Der Ländleverweis in der Nachspielzeit konnte aber gerade noch verhindert werden. Schiedsrichter Rainer ließ Gnade vor Recht ergehen und beließ es bei der Gelben Karte.
Der dickste Hund von allen war aber das Fehlen der Glashaus-Konstanten schlechthin: Wo war Dicke? Nie zuvor in 16 Jahren konnten wir das Abschlusskränzle trinken, ohne dass quasi aus dem Nichts eine zusätzliche Hand nach unserem Bier geschnappt hat. Dafür wurde uns auf simpelste Weise ein Pokaldeckel stiebitzt. Das darf nach so vielen erfolgreichen Turnieren wirklich nicht passieren.
Lehrreich war das Wochenende allemal. Lektion Nummer eins: Es ist weder ratsam, fällige Autoreparaturen in 54-minütige Spielpausen zu legen. Lektion Nummer zwei: Von manchen Schüssen, gerade in Spielpausen, sollte man die Finger resp. Daumen lassen. Und schon gar nicht sollte man Teams unterschätzen, die durch ihren Mannschaftsnamen („Durstlöscher“) Stammtischniveau vortäuschen. Als Stammtischniveau vortäuschende Flinke Flaschen sollte man das eigentlich wissen.
Als lohnend erweist es sich dafür immer wieder, den Tag nicht vor dem Abend zu verteufeln. Manchmal wenden sich die Dinge ohne eigenes Zutun zum Guten. Dann setzt man sich mit dem Frust über zwei verpatzte Begegnungen und mit einer eben solchen Anzahl Biere an den Spielfeldrand – und wupp ist man Erster. Man kann Turniere also auch schön trinken. Und ein gewisser Opportunismus beim Anfeuern schadet manchmal auch nicht.
Trotz des kuriosen Turnierverlaufs lässt sich feststellen: Die Flinke-Flaschen-Familia funktioniert – nicht zuletzt dank der paritätischen Teamzusammenstellung. Die Erfolgsformel: Fünf (Osmanen) plus fünf (Teutonen) ergibt am Ende (Platz) eins. Zu prüfen wäre für die Zukunft der betriebliche Verbesserungsvorschlag unseres Innovationsexperten Georg: Dessen Anregung, künftig wie beim Bierdeckel in der Kneipe Striche für jeden Turniersieg zu machen, anstatt mühsam Plättchen für die Pokale anfertigen zu lassen, sollte eine Überlegung wert sein. Sechs Striche sind schon da. Der siebte wird 2010 angepeilt.
Wenn wir denn wieder mitmachen dürfen. Das Glashaus-OK will nach eigener Auskunft prüfen lassen, ob es nicht zu teuer wird, alle drei Jahre einen Wanderpokal anzuschaffen, der am Ende doch wieder in den Händen der Flinken Flaschen (bzw. auf dem Kühlschrank der Asar-Bar) landet. Kleiner Tipp, liebe Glashäusler: Die Kreissparkasse Ludwigsburg gewährt günstige Kredite. Wenngleich der Vertragsabschluss Glückssache ist. Bei einer Filiale könnte es sein, dass sie ganz spontan beschließt, ihre Kreditvergabestelle vorübergehend zurückzuziehen.