


Ruedi & sein Hochwang-Clan
Am Anfang deutete wenig auf eine innige Freundschaft hin. Auf der Bank vor dem Ofen lag ein müder Hüttenwirt und schenkte den Fremden in seiner Stube kaum Beachtung. Am Tisch in der Ecke saßen die Zuspätkommer aus München und hielten mit großem Bierdurst den Betrieb auf. Stadtmenschen halt, mag sich Ruedi über die kleine Flinke-Flaschen-Delegation gedacht haben. Bergmensch eben, dachten sich die Störenfriede aus der Stadt.
Am nächsten Morgen die gleiche Szenerie, die gleichen Hauptdarsteller, doch plötzlich war alles anders. Draußen verdeckten dichte Wolken das herrliche Panorama, drinnen in der Hochwanghütte verzogen sie sich. Vorurteile wurden abgebaut, Gemeinsamkeiten festgestellt. Zwischen einem Schlag Birchermüsli und ein paar Tassen Roibusch-Tee das Versprechen: Im Winter kommen wir wieder! 2008 war das, mitten im Hochsommer. Eines war uns nämlich schon vor dem ersten Schluck Quöllfrisch bewusst: Besser als in Ruedis Kleinod kann man es nicht erwischen. Urige Stube, leckere Bündner Kost, tolle Bergwelt. Ein Traum auf knapp 2000 Metern – mit einem Pächter, der Kühe zwar mindestens so spannend findet wie Menschen, der dem Mensch aber eine Chance gibt, wenn auf ihn Verlass ist.
Findet sich ein Grund zu feiern, ist auf die Flinken Flaschen immer Verlass. Silvester kamen wir wie verabredet wieder, diesmal gleich zu fünfzehnt. Festmenü, Livemusik plus Feuerwerk hatte Ruedi versprochen – Punsch, Prosecco und einen pünktlich zum Jahreswechsel einsetzenden Schneefall bekamen wir gratis dazu. Bei einem mehrtägigen Aufenthalt lernten wir dann auch den Rest der Hütten-Familie kennen und lieben: Freundin Lucia, die begnadete Köchin, ihre Töchter Sara und Michelle, und Ruedis Bruder Thomi, einen Großmeister an der Handorgel. Nicht zu vergessen: Nella, Miro, Sandra und Sandra, die auch noch lächeln, wenn sich um sie herum das Geschirr türmt.
Fazit: Nirgends wird man so schnell heimisch wie in Ruedis Hochwang-Paradies, das wir künftig mindestens zweimal im Jahr besuchen werden: Mittwoch vor dem Arosa-Turnier – und am letzten Tag des Jahres. Darauf bestehen wir. Selbst wenn eines Tages oberflächliche Störenfriede unser Idyll entdecken.